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3. Oktober 2016 mit den „Patzers“ in Thüringen unterwegs oder: …warum der Fürst von Rudolstadt-Schwarzburg als letzter abdankte

Der Bericht von unserem Ausflug anläßlich des Tags der dt. Einheit ist etwas ausführlicher geraten, weil es so schön und interessant war und - wem das Herz voll ist, der muß viel erzählen. Vorweg kann ich schon mal sagen: jeder, der nicht dabei war, kann sich ins Knie beißen, weil er soviel Interessantes und so herzliche Gastfreundschaft verpaßt hat.

Am 3. Okt, dem Tag der dt. Einheit, gibt es ja zwei Erlanger Veranstaltungen: die offizielle Städtepartnerschaft Erlangen-Jena und die mehr private zwischen den Erlanger Naturfreunden und der Wandergruppe „Paul Patzer“ aus Jena. Die Besuche finden im jährlichen Wechsel in Thüringen bzw. in Franken statt; heuer fiel der Feiertag 3. Okt. auf einen Montag, so daß sich ein Kurzurlaub vom 30. Sep bis 3. Okt ergab, wo sich eine kleine Gruppe (3 Personen) Erlanger Naturfreunde nach Thüringen aufmachte. 

Schon beim Blick auf die Straßenkarte hatten wir festgestellt, daß unser Quartier in Bad Blankenburg etwa gleich weit von A71 und A9 entfernt liegt und wir noch etwa 70 km auf Landstraßen durch Thüringer Wald oder Schiefergebirge fahren mußten.

Die „Patzers“ hatten ein richtig schönes Programm für unseren Besuch geplant. Das fing schon mit dem Quartier an: wir waren im Thüringer Landessportheim in Bad Blankenburg untergebracht, ein Ort für Spitzen- wie auch Freizeitsportler, um sich körperlich und mental auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Von hier aus unternahmen wir 7 Leute (es waren auch 4 „Patzers“ dabei) Ausflüge. 

Am Anreisetag Freitag wurden wir zunächst symbolisch bei der Wandergruppe „Paul Patzer“ aufgenommen, indem jeder von uns einen Aufnäher mit dem Patzer-Logo erhielt.

 

 

 

Dann ging´s nach Paulinzella, einem Ausflugsort mit einer Klosterruine, wo uns Wolfram den Einfluß des Reformklosters Cluny auf das deutsche Geistesleben und die Architektur nahe brachte. Ein Wort zu Wolfram von den „Patzers“: mit seinem Eifer und Wissen hat er uns Thüringen als dt. Kernlandschaft ganz intensiv vermittelt. Nicht zufällig ist Wolfram auch Autor eines Büchleins über den Rennweg. Wie fast überall in Südthüringen war Goethe auch mal in Paulinzella gewesen, wie der Name der örtlichen Gastwirtschaft auswies.

 

Am Samstag stand zunächst das Residenzschloß Heideck der Fürsten Rudolstadt-Schwarzburg in Rudolstadt auf dem Plan; besonders interessant: die Ausgestaltung  der Zimmer, die die Veränderung der Rokokoarchitektur im 18.Jhd widerspiegeln; beeindruckend auch die Ausstellung “Rococo en miniature“, wo zwei Künstler als Lebenswerk das Leben an einem Fürstenhof im Maßstab 1:50 detailgetreu nachempfunden haben. Erfahren haben wir auch, daß der Fürst von Rudolstadt-Schwarzburg der letzte dt. Fürst war, der 1918 abgedankt hat; das hat uns auch gar nicht erstaunt, denn das Fürstentum lag so abseits, daß die Nachricht vom Ende der Monarchie dort vermutlich einfach mit Verspätung angekommen ist.

Nach dem  Mittagessen ging´s dann weiter nach Schloß Oberkochberg,

 

 

 

wo der alte Schwerenöter Goethe immer die Fr. von Stein besucht hat; einmal soll er es so eilig gehabt haben, daß sein Pferd für die 20 km von Weimar nur 3 Stunden gebraucht hat. Einmal im Jahr huldigen Goethefans ihrem Idol, indem sie diese Strecke wandern.

 

Am Sonntag standen die Buckelapotheker an der Olitätenstraße und das Fröbelmuseum auf dem Plan. Eisenbahnfans bestens bekannt ist diese Gegend auch wegen der Oberweißbacher Bergbahn, eine Standseilbahn, mit der wir auch den Berg hinauffuhren.

 

 

Mittagessen gab´s im Restaurant am Fröbelturm,

 

 

bevor wir in Oberweißbach das Fröbelmuseum besuchten.

 

Für die nicht dabei Gewesenen: Fröbel war der Erfinder des Kindergartens, und Olitäten sind Essenzen mit Heilkräutern, die von Hausierern mit dem Rucksack (Apotheke am Buckel) verkauft wurden.

Bei der Autofahrt sahen wir noch das Haus, dessen zwei Dachflächen nach verschiedenen Stromsystemen entwässern: die Nordseite entwässert zum Rhein, die Südseite zur Elbe. 

Nachdem wir in Masserberg noch ein Stück Rennweg gegangen und einen Turm bestiegen hatten, waren wir am Abend so müde, daß wir den angebotenen Spaziergang durch das Sportgelände an der Landessportschule ausließen und gleich zum Abendessen fuhren (mit anschließender Sitzung in der Championsbar, wie an jedem Abend).

 

Am Montag 3. Okt war Tag der dt. Einheit, Anlaß unseres Besuchs in Thüringen. 

Zunächst ging´s nach Obernitz (bei Saalfeld), wo neben der Einfahrt zur Schokoladenfabrik ein Infopunkt zur Ansicht des Geotops „Bohlenwand“ errichtet ist, ein Felsabbruch, der die Schichtung und Faltung der Erdformationen in den verschiedenen Erdzeitaltern zeigt. Interessant auch die erdgeschichtliche Schnecke am Aufgang zum Infopunkt mit dem Eintreten der Lebewesen in den Erdzeitaltern. Wie kurz wir Menschen erst hier vorhanden sind! Durch welche Spezies wir wohl abgelöst werden? Künstliche Intelligenz?

Überhaupt ist uns aufgefallen, daß bei allen besuchten  Infopunkten und Museen die Präsentation pädagogisch sorgfältig und technisch gut ausgearbeitet war, z.B. bei den Aussichtstürmen mit den Reliefs und Bezeichnungen der Umgebung in allen Blickrichtungen; oder das Naturkundemuseum in Goldistal mit den Pflanzen und Tieren der Gegend. Hätte nie gedacht, daß ein Wolf ein so großes Tier ist. Auch pädagogisch gut gemacht: das DB-Infozentrum gleich gegenüber vom Natur-kundemuseum mit Erläuterungen zur ICE-Neubaustrecke.

Auf dem Weg nach Süden Richtung Heimat statteten wir zunächst dem Hohenwartestausee einen Besuch ab

 

 

und stärkten uns in einer fast schon fränkisch anmutenden Wirtschaft beim Mittagessen.

Nach dem Kaffeetrinken in Schleiz haben wir uns voneinander herzlich verabschiedet und auf die Heimfahrt begeben.

Wir haben den Besuch der „Patzers“ in Franken im nächsten Jahr schon einen Termin ausgeschaut: wieder den 30.Sep bis 3.Okt.

Und mein persönlicher Wunsch für die nächsten Jahre: eine Rennsteigwanderung von Eisenach nach Sonneberg

 

In diesem Sinne: „Gut Runz!“ (Begrüßung der Rennsteigwanderer)

 

Klaus